Der Unkrautvernichter Glyphosat - wie schädlich ist er?

Was ist Glyphosat eigentlich und wie wirkt es?

Glyphosat ist das meist verwendete Totalherbizid und wird vorrangig in der konventionellen Landwirtschaft eingesetzt.1 Dieses Pestizid wird in Deutschland meist vor der Aussaat der Nutzpflanzen auf Ackerflächen versprüht und lässt unerwünschtes Unkraut absterben. Somit kann das angebaute Produkt im Anschluss ohne Konkurrenz wachsen und seine Ernteausbeute wird gesteigert.

Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat greift den Shikimisäureweg (auch Shikimatweg genannt) aller Pflanzen an. Dabei handelt es sich um einem Stoffwechselweg der für Pflanzen lebenswichtig ist, den aber Menschen nicht besitzen.2 Durch das Blockieren dieses Stoffwechselweges sterben  Pflanzen zuverlässig ab. Bei der Behandlung mit Glyphosat nehmen die Pflanzen das Pestizid über die Blätter auf. Über diese gelangt es dann in Wurzel und Samen. Es lässt sich nicht abwaschen und ist auch nicht durch Hitze oder Kälte unwirksam zu machen.1 Aufgrund dieser Eigenschaften ist es bei allen klimatischen Bedingungen sehr effizient und soll dabei Insekten-freundlich sein.

Grüne Gentechnik und Glyphosat – ein unschlagbares Team

40% der deutschen Ackerflächen werden mit Glyphosat behandelt. Aber auch auf kommunalen Flächen und für den privaten Gebrauch, wie z.B. im eigenen Garten, ist dieses Pestizid zugelassen.1 Es wird unter anderem von der Firma Monsanto (Bayer) unter dem Namen 'Roundup' verkauft. 

In Nord- und Südamerika wird Glyphosat mengenmäßig am meisten eingesetzt - und das hat einen bestimmten Grund: In diesen Ländern ist die 'Grüne Gentechnik' erlaubt und auch weit verbreitet, denn diese ist ein Garant für höhere Erträge.

'Grüne Gentechnik' bedeutet, dass das Genom von Pflanzen gentechnisch verändert wird, um gezielt bestimmte Eigenschaften auszuprägen oder Resistenzen gegenüber einzelnen Stoffen zu entwickeln. Die Firma Monsanto bietet solches gentechnisch verändertes Saatgut u.a. für Soja und Mais an – die sogenannten 'Roundup Ready' Pflanzen. Das Genom dieser Pflanzen wurde gentechnisch so verändert, dass diese resistent gegenüber Glyphosat sind. In der Folge kann Glyphosat jederzeit auf den Feldern versprüht werden, ohne dass die angebauten Pflanzen dabei absterben. Dieser Umstand macht die Unkrautbekämpfung sehr einfach.2

In Deutschland ist der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen nicht zugelassen. Hier wird Glyphosat vor allem zur Vorbereitung der Ackerflächen vor dem Aussäen verwendet. Außerdem kann es kurz vor der Ernte zum Einsatz kommen. Diese sogenannte Sikkation wird vor allem bei Getreide eingesetzt. Nach dieser Behandlung welkt die Pflanze gleichmäßig und kann anschließend leichter geerntet werden. Seit 2014 ist diese Praxis in Deutschland verboten. Allerdings sind in der Gesetzesvorlage Ausnahmen enthalten.3 So darf Ausnahme Glyphosat beispielsweise dann verwendet werden darf, wenn auf Teilflächen starkes Unkraut auftritt.2

Ein kurzer Abriss: Zulassung (und Verbot?) von Glyphosat in Deutschland 

Glyphosat darf seit 1974 als Totalherbizid eingesetzt werden.2 Dabei sind und waren die  Gefahren für Umwelt und Verbraucher immer umstritten. Im Sommer 2016 sollte im Europäischen Parlament entschieden werden, ob Glyphosat für weitere 15 Jahre in Europa zugelassen wird. Nach heftigen Protesten und nach einen Nichtzustandekommen einer Mehrheit im Parlament wurde diese Entscheidung um 18 Monate vertagt.1 Im November 2017 hat der damalige Landwirtschaftsminister (CSU) entgegen den Absprachen der Regierungsfraktionen im Alleingang mit einem 'ja' gestimmt. Durch seine Stimme wurde es möglich, dass Glyphosat für weitere 5 Jahre in der EU eingesetzt werden darf - also bis Ende 2022.1,4 Bis dahin soll eine 'systematische Minderungsstrategie' in Deutschland greifen, welche eine Verringerung des Glyphosat-Verbrauchs vorsieht. Dies soll etwa durch das Verbot, Glyphosat auf privaten und öffentlichen Flächen zu spritzen, umgesetzt werden.5 Bisher scheint es aber noch keine derartigen Maßnahmen, die diese Minderungsstrategie in die Praxis umsetzen, zu geben. 

Glyphosat – krebserregend oder nicht?

Die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC), welche zur WHO gehört, stuft Glyphosat als 'wahrscheinlich' krebserregend' ein. Auf Grundlage der gleichen Studien bewertet die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Glyphosat hingegen als 'nicht krebserregend'. Obwohl die beiden großen Institutionen die gleichen Studien für ihre Einstufung von Glyphosat als Grundlage verwendet haben, kam es zu diesem Widerspruch. Wie kann das sein? Die unterschiedlichen Bewertungen beruhen auf den unterschiedlichen Ansätzen und Definitionen dieser Institutionen. Die EFSA und das BfR beurteilen, wie groß das tatsächliche Risiko ist, dass jemand aufgrund von Glyphosat Krebs bekommt. Die IARC hingegen prüft, ob Glyphosat grundsätzlich Zellen schädigt, sodass Tumore entstehen könnten. Letzteres scheint der Fall zu sein – allerdings nur bei sehr hohen Dosierungen in Tierversuchen:6

In Laborversuchen an Nagetieren zeigte sich, dass Glyphosat genotoxisch wirkt. Das bedeutet, es beeinflusst die Fähigkeit der Zelle, ihr genetisches Material exakt zu kopieren und zu vervielfältigen. Dieser Umstand führt potentiell zu Mutationen und erhöht somit die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Krebs.1 Neben dieser kanzerogenen Wirkung gibt es außerdem Hinweise, dass Glyphosat Fehlbildungen bei Embryonen verursachen und das menschliche Hormonsystem beeinflussen könnte.3

Die tatsächliche Menge an Glyphosat, die der Mensch ausgesetzt ist, ist ein entscheidendes Kriterium dafür, ob das Totalherbizid krebserregend wirkt. Es wird behauptet, dass die derzeitig verwendeten Mengen an Glyphosat so gering sind, dass die Belastung für den Menschen als ungefährlich – also nicht krebserregend - eingestuft wird.2,6 Dabei ist allerdings entscheidend, ob der Mensch nur ein Verbraucher von konventionell angebauten Produkten ist oder ob er in der Landwirtschaft arbeitet. Denn gerade bei unsachgemäßer Handhabung von Schutzkleidung und bei Nichteinhaltung von Vorsichtsmaßnahmen bei in der Landwirtschaft arbeitenden Menschen, können diese sehr hohen Mengen an diesem Totalherbizid ausgesetzt sein. Es gibt einige Studien, die einen Zusammenhang zwischen einer gehäuften Entstehung des sogenannten Non-Hodgkin-Lymphom – eine bestimmter Krebsart der Lymphdrüsen – und dem Arbeiten in der konventionellen Landwirtschaft belegen. Allerdings gibt es auch gegenteilige Studien. 6

Glyphosat-Rückstände auf Lebensmitteln und Grenzwerte

Da Glyphosat sich nicht abwaschen lässt sowie kälte- und hitzebeständig ist, konnten Glyphosat-Rückstände auch noch nach einem Jahr auf Lebensmittel- und Futtermitteln nachgewiesen werden.3,6 Grenzwerte für Glyphosat-Rückstände in Lebensmitteln sollen dafür sorgen, dass Verbraucher nicht zu viel dieses Stoffes aufnehmen, denn bekanntlich macht die Dosis das Gift.

Da die EFSA von keiner krebserzeugenden Wirkung ausgeht, beruhen die Grenzwerte für die Aufnahme von Glyphosat aus der Nahrung allein auf dessen Giftigkeit.2 Die unbedenkliche Tagesdosis – der ADI – für Glyphosat liegt derzeit bei 0,3mg je kg Körpergewicht.3 Liegt der aufgenommene Wert über diesem, so kann es zu einer Vergiftung mit Glyphosat kommen, welche nachweislich mit einem erhöhten Krebsrisiko einhergehen kann.2

Die Grenzwerte für mit Glyphosat behandelte Pflanzen variieren: Bei der überwiegenden Zahl der Pflanzen liegt dieser bei 0,1mg/kg.6 Für Linsen liegt er bei 10mg/kg.3 Der internationale Grenzwert für Gen-Soja, wie er jährlich in Millionen Tonen als Tierfutter aus Südamerika in die EU exportiert wird, beträgt 20mg/kg. Dieser Grenzwert liegt unverhältnismäßig hoch. Und trotzdem ergaben Stichproben noch eine Überschreitung dieses Wertes.6

Gefahren für Flora und Fauna

Nicht nur für Menschen könnte Glyphosat eine gesundheitliche Gefahr darstellen. Gerade was den Arten- und Umweltschutz betrifft, scheint die Kritik am Einsatz von Glyphosat berechtigt zu sein. 

Entgegen der in der Vergangenheit vertretenen Auffassung, dass Glyphosat insektenschonend sei, vermehren sich die Hinweise, dass dieses Pestizid alles andere als 'schonend' ist: Studien ergaben beispielsweise, dass Glyhosat die Darmflora von Honigbienen angreift und sie somit  empfindlicher gegenüber Umwelteinflüssen macht. Die genaue Rolle von Glyphosat beim zunehmenden Insektenschwund ist jedoch noch nicht geklärt.6

Ein entscheidender Punkt bei der Debatte, ob Glyphosat gefährlich für Insekten ist oder nicht, dürfte auch sein, dass Insekten zu wenig Nahrung in unserer monotonen Agrarlandwirtschaft finden.6 Weniger Wildpflanzen auf und neben den Ackerflächen bedeuten auch weniger Lebensraum für Insekten. Da diese die Hauptnahrungsquelle für andere Tiere sind, nimmt mit abnehmenden Zahl an Insekten die biologische Diversität ab.1

Glyphosat ist nachweislich ein Wasserschadstoff. Über die Felder gelangt es in Gewässer und von dort aus ins Grundwasser. Es schadet Wasserlebewesen, besonders betroffen sind Amphibien. Es sterben beispielsweise überdurchschnittlich viele Kaulquappen in der Nähe von mit Glyphosat behandelten Ackerflächen.1

Gibt es Alternativen zu Glyphosat?

Studien gehen davon aus, dass beim Verbot von Glyphosat viele konventionelle Landwirte auf andere zugelassene chemische Herbizide zurückgreifen würden, welche mitunter schädlicher für die Umwelt und darüber hinaus auch häufig weniger effizient sind. Das bedeutet, es müsste eine höhere Menge davon verwendet werden, um den gleichen Effekt wie Glyphosat zu erzielen.7

Biologische Alternativen zur Unkrautbekämpfung sind sogenannte biologische Herbizide aus organischen Säuren, wie Pelargonsäure oder Essigsäure. Diese Pestizide sind zwar umweltfreundlicher, aber wie alternative chemische Herbizide weniger effizient. Das macht ihren Einsatz teurer und auch entsprechend technische Lösungen zur massentauglichen Umsetzung sind noch nicht vorhanden.7

Darüber hinaus gibt es noch die Möglichkeit, Unkraut thermisch in Form von heißem Wasser oder durch elektrischen Strom zu bekämpfen. Auch bei diesen Methoden gibt es noch keine großtechnischen Lösungen und die Anwendung erfordert ebenfalls mehr Arbeitsstunden und führt folglich zu höheren Kosten. 8

Auch der Anbau in Mischkultur kann Unkraut und Schädlinge reduzieren. Durch den Anbau verschiedener Nutzpflanzen auf einem Acker können Nachteile der Monokulturen, wie etwa die Massenausbreitung von Schädlingen oder Krankheiten und damit der Totalausfall der Ernte zum Teil vermieden werden.8

Die einzige großtechnisch umsetzbare Alternative zu Glyphosat stellt derzeit die mechanisch technische Bearbeitung von landwirtschaftlichen Flächen dar. Diese mechanische Bodenbearbeitung, worunter z.B. Pflügen oder Grubbern fällt, verlangt ebenfalls mehr Arbeitsstunden durch die häufigeren Traktorfahrten.7 Zusätzlich kann die Bodenqualität durch diese Bearbeitung enorm leiden. In Hanglagen wird zusätzlich die Bodenerosion begünstigt. In der biologischen Landwirtschaft wird diese Alternative schon mit Erfolg umgesetzt. Bio Lebensmittel (wie bei Kamelur®) enthalten keine Pflanzenschutzmittel und sind somit umweltverträglicher und stellen weder für die in der Landwirtschaft arbeitenden Personen, noch für den Verbraucher eine gesundheitliche Gefahr dar.

Fazit

Die gesundheitlichen Auswirkungen von Glyphosat auf den Menschen sind noch immer nicht geklärt. Es gibt kaum unabhängige Studien, die einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Entstehung von Krebs oder anderer Erkrankungen und der Aufnahme von Glyphosat über die Nahrung oder anderen Einbringungsquellen eindeutig belegen. Allerdings sind die Folgen für die Flora und Fauna in der Nähe von mit Pestiziden bearbeiteten Ackerflächen deutlich spürbar. Teilweise ist ein eindeutiger Zusammenhang zwischen dem Insektenschwund und dem Einsatz von Glyphosat belegt.

Alternativen zu Glyphosat in der konventionellen Landwirtschaft sind häufig zeitaufwendiger, kostenintensiver und teilweise noch schädlicher Fauna und Flora. Bislang fehlen außerdem großtechnische Lösungen für umweltverträgliche Alternativen, die einen Kompromiss zwischen verringerter Ernte und erhöhten Arbeitsstunden schaffen. 

Um einen ganzheitlichen Erfolg für eine umweltverträgliche Landwirtschaft mit gesundheitlich geringeren Risiken für Menschen zu schaffen, müsste sowohl in der EU, als auch weltweit das gesamte System der Unkrautbekämpfung umgestellt werden. Dieser Prozess wird wahrscheinlich noch viele Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

 

Einzelnachweise:

https://www.bund.net/umweltgifte/glyphosat/

https://docs.google.com/document/d/1_CgI5-bYC6dNnUvAMQUHlHjpSokRgVNn9q0hoejqW-g/edit 

https://www.foodwatch.org/de/informieren/glyphosat/was-ist-glyphosat/

https://www.spiegel.de/wirtschaft/julia-kloeckner-behoerde-verzoegert-glyphosat-ausstieg-a-1301145.html

https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/aktionsprogramm-insektenschutz-bundesregierung-will-glyphosat-bis-ende-2023-verbieten/24979264.html

https://www.swr.de/wissen/glyphosat-faktencheck/-/id=253126/did=20514698/nid=253126/45z6by/index.html

7 https://www.nzz.ch/wissenschaft/gute-alternativen-zu-glyphosat-sind-duenn-gesaet-ld.1324258

8 https://www.global2000.at/glyphosat-alternativen-landwirtschaft

Bitte geben Sie die Zeichenfolge in das nachfolgende Textfeld ein.

Die mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder.